Es war einmal

Ein Verein mit langer Tradition bietet viele interessante Themen, Hintergrundinformationen und spannende Geschichten. Kleine "Schätze" die hier regelmäßig und zeitgemäß veröffentlicht werden. Sie zeigen woher wir kommen und welche spannenden Storys es "Off Topics" gibt. Kleine Zeitreisen die Euch hoffentlich viel Spaß machen werden.

Hallo, liebe Pferdefreunde ...

Vor einigen Tagen habe ich erfahren, dass Naxos einen Bericht über die Fassenacht, bzw. den Rosenmontagszug für unsere Voltigierseite geschrieben hat. Da lasse ich mich natürlich nicht lumpen, hab mich gleich an die Arbeit gemacht und habe auch eine Geschichte über mich geschrieben. 


Auch ich möchte mich hier erstmal vorstellen. Also, ich bin 15 Jahre alt, auch ein Haflinger, natürlich ein Hengst, und ich heiße „Almtraum“. Freunde und Bekannte nennen mich auch Träumer, und das ist eigentlich auch gar nicht so falsch, denn ich stehe ganz oft in meiner Box und träume von meiner schönen Heimat im Allgäu, von den Bergen, einer kleinen Stutenfamilie, schönen großen Weiden mit grünem saftigen Gras und gut duftenden Blümchen, an denen ich immer so gerne gerochen habe. Ja, genau da bin ich aufgewachsen, dort ging es mir gut und ich hab mich sauwohl gefühlt. 


Bis zu jenem Tag vor 10 Jahren, als hier ein rostiger Mercedes-Bus vorgefahren ist, mit zwei Menschen und einem zotteligen Hund. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es Dana, Hanne und Sam waren. Damit fing das ganze Elend an. Vorbei war es mit meiner Ruhe, dem Spaß mit den Weibern und dem schönen Leben. Hanne hat mich dann gekauft, und hat mich mit noch so einem armen Schwein – ääh Entschuldigung – Pferd, nach Mainz mitgenommen. Von diesem Tag an musste ich nur noch schuften, schuften und nochmals schuften. 


Na ja, hab ich gedacht, das geht vorüber und habe halt notgedrungen gemacht, was Hanne wollte. Manchmal hat es ja sogar ein bisschen Spaß gemacht – aber nur manchmal!!! Es wurde immer schwerer. Manchmal musste ich so komisch seitwärts laufen, und rückwärts und lauter so einen Quatsch. Und dann sollte ich was machen, was ich lange Zeit überhaupt  nicht kapiert habe.Ich sollte galoppieren und dabei immer wieder den Fuß wechseln. Sauschwer, sag ich Euch! Probiert das echt mal aus, aber auf 4 Füßen. Manchmal hatte ich echt Angst, dass ich mir die Beine verknote. 

Also, von da an war´s aus mit meiner Gutmütigkeit. Ich hab beschlossen: Das mach ich nicht mit!!! Ich kann Euch sagen, der Hanne hab ich ganz schön das Leben schwer gemacht. Immer wenn sie mit dem Blödsinn angefangen hat, hab ich Gas gegeben und bin einfach weggerannt. Aber sie blieb immer auf mir. Bis auf ein Mal, da hab ich meinen Rücken ordentlich rundgemacht und schon hatte ich sie verloren – nach dem Motto: „Das höchste Glück der Pferde, ist ein Reiter auf der Erde“! So heißt der Spruch doch, oder??? 


Jetzt hatte ich es ihr aber gezeigt. Danach hat sie den Blödsinn mit den fliegenden Wechseln (hab mal gehört, dass das so heißt) gelassen. Ich hab mich schon riesig gefreut, dass dieses Elend endlich beendet ist. --Aber nein, es sollte noch schlimmer kommen. Wisst Ihr, was Hanne dann gemacht hat? Das fand ich sooo gemein! Sie hat Saskia, die Reitlehrerin, sehr gute Dressurreiterin und Besitzerin unseres Stalls gefragt, ob sie mir das nicht beibringen kann. Und „die“ hat auch noch ja gesagt. So eine Sch….!!! Aber ich hab mir vorgenommen: „ICH LASS MICH NICHT UNTERKRIEGEN – ICH NICHT!!!

 
Ich sag Euch, der hab ich das Leben schwer gemacht. Ich glaub, bei Saskia heiße ich nicht Almtraum, sondern Albtraum, denn das bin ich bestimmt mittlerweile für sie geworden. Und mein neuester Name ist: „Tiroler Holzkopf“. 


Also erst hab ich mich mal total blöd gestellt. Ich hatte Keine Ahnung was sie von mir wollte. Ich hab alles probiert, bin rumgesprungen wie ein Rodeo-Pferd. Na ja, fast wie ein Rodeo-Pferd, denn so richtig buckeln ist mir einfach zu anstrengend (Schwitz). Hab sogar versucht, ihr einfach mal gegen den blöden Schenkel zu treten. Da hat sie vielleicht geguckt, dann ich hab sogar getroffen, zwar nur den Steigbügel, aber der war schon mal weg. Und vor allem hab ich sie ordentlich zum Schwitzen gebracht – im Gegensatz zu mir. ☺


Manchmal hab ich ihr dann den Gefallen getan und bin dann mal umgesprungen. Da hat sie sich vielleicht gefreut. Danach hatte ich dann immer Feierabend. Also hab ich immer einen Wechsel gemacht, in der Hoffnung, dass dann Schluss ist. Irgendwann wurde sie dann echt unverschämt und wollte 2 oder 3 Wechsel von mir. Na, das war ja schon wieder zu viel des Guten. Also hab ich mich wieder blöd gestellt, oder hab versucht sie auszutricksen, indem ich mal vorne, und dann wieder mal hinten oder nacheinander umgesprungen bin. 


Soll ich Euch was sagen? Das hätte sie gar nicht gemerkt, wenn Hanne nicht immer so genau aufgepasst und mich verpetzt hätte. Soooo unfair. Jede Nacht hab ich überlegt, wie ich sie am nächsten Tag ärgern könnte. Ich kam gar nicht mehr richtig zum Schlafen und war total müde. Aber meistens ist mir ja was eingefallen. Nur so langsam gingen mir die Ideen aus. So ein bisschen habe ich ja noch mit ihr gekämpft, aber manchmal hat es mir dann sogar Spaß gemacht. Und eigentlich ist Saskia ja auch ganz okay.


Nach ca. einem halben Jahr habe ich ihr dann mal den Gefallen getan und hab mich ein bisschen, oder sogar ganz viel bemüht, denn schließlich wollte ich ja schon mal aufs Turnier gehen. Ich finde das nämlich klasse.Da bewundern mich nämlich immer alle, weil ich so hübsch bin, und das tut uns Männern ja immer besonders gut! Außerdem sind da so schöne Frauen, und wenn man dann so ein Schleifchen angehängt bekommt, und ich zwischen oder sogar vor den ganzen Großen stehen darf, ist das einfach was Tolles……


Saskia habe ich dann versprochen, dass ich mich anstrengen werde! Aber ob ich dann auch so lieb zur Hanne bin, das musste ich mir noch schwer überlegen. Na ja, ich hab Hanne dann auch den Gefallen getan, hab mich bemüht und es hat dann auch super mit uns Beiden geklappt. 


Hanne und ich hatten dann einige schöne Jahre zusammen auf den Turnieren. Wir hatten große Erfolge, hatten viele L-Dressuren gewonnen, sind 3-mal in M-Dressuren gestartet und waren jedes Mal platziert. Eigentlich hätte ich gerne noch weiter gemacht, denn ich hab dann die Serienwechsel bis zu den 3er-Wechseln gelernt, kann super gut piaffieren,  Trab- und Galopp-Traversalen und auch die Pirouetten haben mir viel Spaß gemacht, aber leider konnte Hanne aus zeitlichen und vor allem gesundheitlichen Gründen nicht mehr reiten. Jetzt werde ich von Dana und Caro erfolgreich  in L-Dressuren geritten, und nachts stehe ich weiterhin in meiner Box und träume von den schönen Bergen im Allgäu, einer kleinen Stutenherde, von grünem, saftigen Gras und verspüre in Gedanken noch den so lieblichen Duft der schönen Blümchen. Aber wenn ich es recht bedenke ist es in Mainz auch sehr schön und ich habe viel gelernt und neue Freunde gefunden.

 

Viele Grüße

 

Euer Träumer

 

Liebe Voltigierfreunde ...

Vor einiger Zeit erzählte mir Hanne, dass die Voltigierer eine eigene Homepage haben, und dass sie dafür schon einige Geschichten geschrieben hat. Da hab ich mir gedacht, warum sollen das immer nur Hanne oder die Voltigierer machen?  Ich könnte da ja auch mal was schreiben. Schließlich bin ich ja schon seit 23 Jahren bei Hanne.

 

Genauso lange, „23 Jahre“ laufe ich auch schon den Rosenmontagszug mit. Und darüber möchte ich Euch jetzt mal etwas erzählen: Oh, Entschuldigung, aber ich glaube, ich muss mich erst mal bei Euch vorstellen. Also, ich bin ein Haflinger, mittlerweile schon 28 Jahre und höre auf den schönen Namen „NAXOS“.

Doch all die, die mich näher kennen, nennen mich eigentlich nur Knallkopf. Naja, so ganz Unrecht haben sie ja auch nicht, denn ich lass mir halt auch nicht von jedem alles gefallen und setze meinen Kopf dann auch meistens durch. Das ganze Jahr muss ich immer arbeiten, irgendwelche Reiter auf meinem Buckel rumschleppen oder die Kutsche ziehen. Das finde ich echt doof. 

Aber etwas gibt es doch, was mir riesig Spaß macht und auf das ich mich das ganze Jahr über freue. 


Das ist die FASSENACHT!!!!!!!!!! 


So ein Rosenmontagszug ist doch einfach das Allergrößte was ein Haflinger überhaupt erleben kann. Das ist einfach ein tolles Gefühl, wenn der Narrhallamarsch erklingt und tausende von Menschen am Straßenrand stehen und mir zujubeln. 

 

Doch bis es endlich soweit ist, sind noch viele Vorbereitungen zu treffen. Ich will Euch mal kurz erzählen, was bei uns dann immer so los ist.


Also, die ganzen Vorbereitungen fangen schon eine Woche vorher an. Da kommt die Hanne mit der Schermaschine. Sie schert mir die ganzen langen Haare an den Beinen ab und wenn ich zu dickes Winterfell habe, kommt das natürlich auch ab. Sieht ja auch nicht gerade schön aus, wenn ich so als Teddybär rumlaufe. Dafür bekomme ich als Geschenk eine schöne warme Kuscheldecke. Danach gehe ich zur Fußpflege. Ich kann Euch sagen – Pediküre vom Feinsten und anschließend gibt’s auch noch vier tolle neue Schuhe.

Am Fastnacht-Samstag geht es dann richtig rund. Da steht duschen auf dem Programm. Da werde ich von Kopf bis Fuß einshampooniert, Schweif und Mähne werden gewaschen, die Hufe geschrubbt und eingefettet. 


Wenn dabei die Sonne scheint und es schön warm ist, macht es ja auch richtig Spaß geduscht zu werden..... Doch ist es auch schon vorgekommen, dass es eisig kalt war, und mein Schweif und meine Mähne gefroren sind. Das hat vielleicht ausgesehen... und kalt wars, brrrrrrrr. Damit das nicht noch mal passiert, werde ich jetzt immer trocken geföhnt. 

Am Fastnacht-Sonntag und am Rosenmontag ist für uns alle, Pferde und Reiter, morgens um 5 Uhr die Nacht vorbei. Ganz schön früh, kann ich Euch sagen. Aber für die Fassenacht stehen wir natürlich gerne früh auf. 


Dann dürfen wir erst mal alle zusammen in die Halle und uns so richtig austoben. Hei, das macht vielleicht Spaß! Anschließend werden wir dann wieder auf Hochglanz geschrubbt, geputzt und gewienert, unsere Schweife werden schön eingeflochten, die Hufe werden gefettet, dann dürfen wir in den Hänger, und ab geht’s nach Mainz. Endlich ist es soweit, worauf wir uns schon das ganze Jahr gefreut haben. 

 

FASSENACHT IN MÄÄNZ!!!!!!! 

Sonntags sind wir immer einer mehr. Da darf dann auch unser kleiner, wolliger Freund „Lucky“ , so wie früher sein Vater Sam mit auf den Zug. Er ist ein ganz lieber Collie und hat die gleiche Farbe wie wir Haflinger – braun und weiß. Deshalb passen wir auch so gut zusammen und wir haben ihn auch alle sehr lieb. 


Doch manchmal sind wir auch ein bisschen eifersüchtig auf ihn, denn wenn Lucky mit seinem Fastnachtschal mitläuft, stiehlt er uns ganz schön die Schau. Da werden nur noch Fotos von ihm gemacht, und uns sieht kaum noch einer. 


Das ist soooooooooo gemein! Naja, aber ich kanns ja auch verstehen – er sieht schon sehr süß aus und er ist halt ein richtiger Charmeur. Am Rosenmontagszug muß Lucky dann zu Hause bleiben und wir sind wieder die Stars.

Mein alter Kumpel „Almtraum“ und ich dürfen dann immer vorne in der ersten Reihe gehen. Wir haben halt auch die meiste Erfahrung, schließlich bin ich schon seit 23 Jahren und Almtraum seit 11 Jahren dabei.Deshalb müssen wir dann auch immer so einen Jungspund in unsere Mitte nehmen. Das ist unser Fastnachts-Azubi und auf den müssen wir dann aufpassen, dass er keinen Blödsinn macht.  

Allerdings ist das bei uns Haflingern eigentlich eh kein Problem. Wir haben vor dem ganzen Trubel überhaupt keine Angst. Unsere Reiter sind auch alles sehr gute Reiter, und wir kennen uns schon sehr lange und vor allem sehr gut. Schließlich werden wir von ihnen seit vielen Jahren mindestens 2-3 mal in der Woche geritten, und wer nicht mindestens 5-6 Jahre und vor allem auch richtig gut reitet, darf gar nicht mitreiten. 
Darauf legt unsere Chefin ganz großen Wert. Und wer von den Pferden nicht brav genug ist, muß auch zu Hause bleiben. Deshalb dürfen unsere Großpferde auch gar nicht mehr mit. Die sind einfach viel zu nervös. 

 

Die sind bestimmt aus „ Wiesbaden“ !!!!!!!!! ☺

Ja, und so ziehen wir durch die Mainzer Straßen, lassen uns bewundern, bestaunen, viel fotografieren, genießen den ganzen Rummel, freuen uns an den lustigen Menschen, rufen in unserer Sprache ein dreifach donnerndes Helau und erfreuen uns einfach an den tollen Tagen. 


Aber alles, was besonders schön ist, geht leider auch sehr schnell vorüber. Im Nu sind wir oben am Bahnhof und alles ist wieder vorbei. Traurig und still gehen wir dann zurück zu unseren Hängern und dabei denkt noch mal jeder von uns an besonders schöne Erlebnisse während des Zugs. 


Dann werden wir wieder nach Laubenheim gefahren. Dort stehen wir in unseren Boxen, summen noch mal leise für uns, damit es auch keiner hört, den Narrhalla-Marsch und freuen uns wieder das ganze Jahr auf diese schöne Zeit. 

 

Und spätestens dann, wenn Hanne wieder mit der Schermaschine kommt, wissen wir genau – Es ist wieder FASSENACHT !!!!!!!!! HELAU!!!

Ein sympathischer "Teufel"

„Teufel“ war unser 1. Voltigierpferd für die Anfänger. Er war ein 1,40 m kleiner Isländer-Mix-Wallach, ganz schwarz und hatte seinen Namen nicht umsonst. So wie er hieß, war er auch. Ich glaube, er ist das Pferd, das mich am meisten in den Dreck gesetzt hat. Er konnte Häuser springen, 1.60 m war für ihn kein Problem, aber nur wenn er Lust hatte. Wenn nicht, ist er noch keine 10 cm gesprungen. Er hatte es gut raus, in einem Wahnsinns-Tempo an einen Sprung zu rasen, um dann blitzschnell die Bremse reinzuhauen und den Kopf zwischen die Beine zu nehmen. Oft genug landete ich weit, weit hinter dem Sprung, nur leider ohne Pferd. Im Gelände fand er es immer ganz toll, wenn dann im Galopp eine Weggabelung kam, und ich nach rechts wollte,  dann einen Haken nach links zu schlagen. Oft haben sich dann auch da unsere Wege „getrennt“. ☹

 

Teufel war auch ein tolles Pferd für Reiterabzeichenprüfungen im Springen. Wir hatten immer den gleichen Parcours und Teufel kannte ihn genau. Er lief ihn immer von ganz alleine, der Reiter musste nur irgendwie drauf bleiben, denn er hatte einen „Affenzahn“ drauf. Man musste aber dann, wenn der Parcours beendet war, ganz schnell ausreiten. Hatte man das verpasst, hat Teufel den Parcours wieder von vorne angefangen, und der Reiter hatte keine Chance das zu verhindern. ☺


So unmöglich wie er manchmal beim Reiten war, so zuverlässig war er beim Voltigieren. Zu seinen kleinen Kindern war es super zahm und lieb und hat extrem auf sie aufgepasst. Da hat er keinen falschen Schritt gemacht.


Teufelchen lief bei uns bis zu seinem 30. Lebensjahr im Schulbetrieb und im Voltigieren. Dann haben wir ihn schweren Herzens in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, den er dann noch 4 Jahre topfit genießen konnte. Ich hatte immer gedacht, dass die da oben im Himmel den kleinen Teufel vergessen haben, aber leider ist er ihnen dann plötzlich doch wieder eingefallen. Innerhalb von 4 Tagen ging es ihm dann so schlecht, dass wir uns auch von ihm verabschieden mussten. Wir denken noch oft an den kleinen Teufel und erzählen viel von ihm. Er fehlt uns sehr! So ein „Schlitzohr“ werden wir wohl nie wieder bekommen. 

 

Zum Anfang ein "Talisman(n)"

von Hanne Strübel

 

Talismann, auch wenn er mit 2 n am Ende geschrieben wurde, war unser absoluter „Glücksbringer“. Ihm verdanken wir unser ersten großen Erfolge, unsere erste gewonnene Landesmeisterschaft (1980) und auch unseren ersten Start auf einer Deutschen Meisterschaft. 

 

Das war damals in Bad Segeberg und es war ein Riesenerlebnis für uns. Wir landeten damals auf dem 11. Platz und waren mega stolz. 

Der „große“ Paul Lorenz kam damals zu mir und meinte, „Na ja, die Gruppe muss noch viel trainieren, aber das Pferd ist Spitzenklasse. Der würde mir auch gefallen“.

 

Dabei war Talismann kein einfaches Pferd. Er hatte schon so seinen Dickkopf und vor allem war er ein Angsthase, obwohl er so groß und so stark war. Oh, und er war seeeehr stark. Es dauerte sehr lange, bis er mal an einem „schlimmen“ Punkt  vorbei ging. Wenn er es geschafft hatte, war er ganz stolz. Nur wenn er dann von der anderen Seite kam, sah das ja wieder ganz anders aus und war wieder genauso gefährlich, wenn nicht noch viel gefährlicher. ☺

 

Talismann war ein absolutes Gruppenpferd. Da lief er immer super und total zuverlässig. Einzelvoltigieren mochte er dafür aber gar nicht. Da fühlte er sich so „einsam“. Zu der damaligen Zeit war das Reglement ja zum Glück noch nicht so streng oder es wurde nicht so eng gesehen, so haben wir dann, wenn ein Einzelvoltigierer gestartet ist, fast die ganze Gruppe mit einlaufen lassen. Die haben dann nur draußen am Zirkelrand gestanden, aber Talismann war glücklich und ist super gelaufen.

 

Ein schreckliches Erlebnis hatten wir mit ihm. Wir waren gerade dabei die Kür zu trainieren, als es plötzlich schrecklich krachte, und Talismann auf 3 Beinen weitergaloppierte. Ich hielt in gleich an und stellte sofort fest, dass seine Fessel gebrochen war. Ich fuhr ihn noch in der Nacht bei Eis und Schnee nach Königsbach (bei Pforzheim) in eine Klinik, wo er sofort operiert wurde. Er musste ein halbes Jahr lang mit Spezialbeschlag und Gips stehen. Und was wir eigentlich nicht mehr für möglich gehalten haben, nach dieser Zeit konnte Talismann sogar wieder im Voltigieren gehen. Alles war super geheilt und gut geworden. Talismanns Retter waren damals Dr. Bootz und Dr. Sieger aus der Tierklinik in Königsbach-Trais!

 

Talismann wurde 26 und  wenn er damals nicht gewesen wäre, wären wir vielleicht nie da hingekommen, wo wir heute sind. Vielen Dank, lieber Talismann!!!

Sam - ein Collie in Not!

Sam auf der Zugspitze
Sam auf der Zugspitze

von Hanne Strübel

 

Bevor ich Sam bekam, war ich lange Zeit ohne Hund, genau gesagt 11 Jahre. Aber diese lange Zeit habe ich auch gebraucht, um mit dem Tod meines damaligen Collies „Lass“ fertig zu werden. Ich holte Lass mit ca. einem Jahr aus dem Mainzer Tierheim. Er war der absolute Traumhund. Ich brauchte nur zu denken und er hat alles gemacht und alles verstanden. Wir hatten 14 wunderschöne, gemeinsame Jahre. Eigentlich wollte ich nach ihm nie wieder einen Hund haben.

 

Irgendwann kam dann doch wieder der Gedanke in mir hoch, dass es vielleicht doch ganz schön wäre, einen Hund zu haben. Und mir war sofort klar: „ein Collie muss es wieder sein“. So machte ich mich auf die Suche.

 

Zuerst rief ich beim Bund der Tierfreunde in Wiesbaden an, die zufällig gerade zwei Collierüden zu vermitteln hatten. Die Dame meinte aber, dass auf einem Reiterhof der Collie der völlig falsche Hund wäre, da die Collies sehr sensibel sind und viel lieber ihre Ruhe haben möchten. Aus meiner Sicht und Erfahrung auch mit Lass: „Absoluter Blödsinn!!!“

 

Also suchte ich weiter. Ich habe in dieser Zeit viele Collies gesehen und gute Züchter, aber auch schlechte Züchter kennen gelernt.  Aber „mein Hund“ war nicht dabei. Leider sprang der berühmte Funke noch nicht über. 

 

Irgendwann sah ich dann die Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“. „Collie in Not“ stellte dort zwei Collies zur Vermittlung vor. Ich rief gleich am nächsten Tag an, erzählte meine Geschichte und dass ich einen ca. einjährigen Rüden suche. Da sie zur Zeit nur ältere Hunde hatten, wollte sie mich sofort anrufen, wenn sie einen jüngeren Hund herein bekommen sollte. Schon 4 Tage später kam der Anruf, der mein Leben wieder komplett verändern sollte. Sie hatten einen 7 ½ Monate alten Rüden, den seine Besitzer schon nicht mehr haben wollten. 

 

Sofort am nächsten Tag fuhr ich nach Hagen/Westfalen, da der Hund dort in einer sehr guten Pflegestelle untergebracht war. Ich sah ihn, und wusste sofort: das ist „mein“ Hund!!! Da war sie, „die Liebe auf den ersten Blick“! Nach einem längeren Gespräch der Pflegestellenleiterin durfte ich Sam sogar gleich mitnehmen. Ich war überglücklich.

Als wir dann fahren wollten, tauchte das erste Problem auf: Autofahren. Sam klemmte seine Rute unter den Bauch und zog schon 4 m vor dem Auto die „Notbremse“. „Nichts und Niemand“ konnte ihn dazu bewegen einzusteigen. Also nahm ich ihn auf den Arm und trug ihn ins Auto. Dann ging´s auf seine erste große Reise. Alle halbe Stunde machte ich Pause und nahm den völlig verängstigten und am ganzen Körper zitternden Hund aus dem Wagen, um mit ihm spazieren zu gehen oder mit ihm zu spielen. Aber auch spielen kannte er nicht. Endlich in Mainz angekommen, hatte er sich etwas beruhigt und war froh, aus diesem Ungetüm raus zu sein. Ich brachte ihn in sein neues Zuhause, das er erst mal ausgiebig beschnüffelte. Dann brach plötzlich die totale Panik aus: Er hatte meinen Wellensittich gesehen, und der kam auch noch auf ihn zu. Er sprang vor Angst fast durch die geschlossene Fensterscheibe. ☺

 

So stellte ich nach und nach fest, dass Sam weder erzogen war, noch irgendetwas kannte. Vor allem hatte er Angst. Einfachste Arbeiten im Haus erschreckten ihn fast zu Tode. Nach etwa einem halben Jahr wurde aus diesem unerzogenen, ängstlichen Hund ein richtig toller Kerl. Er fuhr leidenschaftlich gerne Auto, die Arbeiten im Haus waren ihm völlig gleichgültig geworden, im Gegenteil, er half sogar mit, wenn´s ans Aufräumen ging, brachte mir die Sachen, die so rum lagen und trug die Einkaufstüten vom Auto in die Wohnung. Mit Pferden und Wellensittich verstand er sich prächtig und er hörte jetzt aufs Wort (meistens). Er lernte wahnsinnig schnell, lief beim Rosenmontagszug immer neben meinem Pferd her, schwimmen im Rhein war auch kein Problem mehr, obwohl Wassertropfen doch mal so richtig gefährlich waren, und war gut Freund mit Mensch und Tier. Außerdem war er mittlerweile ein richtig hübscher junger Hund geworden.

 

Natürlich bin ich auch mit ihm in die Hundeschule gegangen, wo er immer mit Feuereifer dabei war. Nach der ersten Stunde durften wir schon gleich zu den Fortgeschrittenen, kurze Zeit später hat Sam die Begleithundeprüfung mit Erfolg abgelegt und ein halbes Jahr später auch die Schutzhundprüfung, wobei ich ihn allerdings beim Training bis 1 Woche vor der Prüfung nicht von der Leine lassen durfte, da der Hetzer im Schutzdienst große Angst vor ihm hatte. Da der Collie ja ein Hütehund ist, hatte er keinerlei Beutetrieb. Somit war ihm der Beißarm, den andere Hunde als Beute ansehen, völlig egal. Er sagte sich: “Was soll ich denn mit dem blöden Beißarm? Der Typ, der in dem Arm drinsteckt ärgert uns ja“. Sam ließ den Arm fallen und ging sofort an den Hetzer, der einige Bisse von ihm hinnehmen musste. Auch versuchte er sich als Trick-Dog. Er konnte viele Kunststückchen und für ein Leckerli zeigte er sie auch immer sehr gerne.

 

So hatten wir 7 gemeinsame und  traumhafte  Jahre.  Sam war auf allen Volti-Turnieren immer mit, durfte auch oft genug in die Volti-Hallen, auch wenn andere Hunde nicht rein durften. Er war ein so toller Hund, immer brav und wusste sich einfach zu benehmen. Wir waren immer zusammen, sind zusammen schlafen gegangen – allerdings immer in getrennten Betten-  und zusammen aufgestanden. Wir waren wie so ein altes Ehepaar und sind immer nur im Doppelpack aufgetreten. Hanne ohne Sam gab es nicht. Eher mal umgekehrt, wenn er wieder mal das Gefühl hatte, ich kümmere mich nicht richtig um ihn, dann ist er einfach nach Hause gelaufen. 6 km weit, wo er dann vor der Haustür lag und mich vorwurfsvoll anschaute, wenn ich erst nach Stunden völlig verzweifelt nach Hause kam (da ich ihn vorher meist stundenlang im Feld und überall erfolglos gesucht hatte).  

 

Sam und Lucky
Sam und Lucky

Irgendwann, als Sam schon 8 Jahre war,  kamen wir auf die Idee mal Nachwuchs zu „produzieren“. Die Volti-Mama Petra Weidner hatte eine hübsche Collie-Hündin namens „Jella“, und Jella und Sam waren nicht abgeneigt voneinander. Gesagt - getan! Zum Glück hat es auch gleich geklappt. Sieben Wochen später, am 7. Mai 2008 kamen 3 so ganz kleine „Meerschweinchen“ auf die Welt. Sie heißen Juna, Asco und Lucky. Das war eine soooo schöne Zeit mit den kleinen Welpen. Sam und ich fuhren fast jeden Tag zu den Babys und sahen sie aufwachsen. Allerdings war Sam gar nicht so begeistert von den kleinen Rackern. Sie waren ihm einfach zu lästig, besonders der kleine Lucky. Er liebte seinen Papa sehr und war, sehr zum Leidwesen von Sam, immer bei ihm. Wenn Sam irgendwo schlief, kam der kleine Mann sofort und legte sich press an seinen Papa. Sam rollte nur mit den Augen und duldete es, aber immer völlig genervt. Mit acht Wochen holten wir den kleinen Lucky dann zu uns nach Hause. Der arme Sam musste sehr viel von seinem Sohn erdulden. Aber er trug sein „schweres Los“ wirklich papahaft.  

 

Leider wurde Sam in dieser Zeit ganz schwer krank. Wir waren ständige Besucher beim Tierarzt, der alles menschenmöglich für Sam getan hat, aber leider konnte er ihm nicht helfen. Sam hat sich 7 Monate tapfer gehalten und gekämpft, ohne auch nur einmal zu jammern. Er hat noch an unserer Vereins-Weihnachtsfeier zusammen mit seinem Sohn begeistert Kunststückchen vorgeführt. 7 Tage später ging es ihm dann leider so schlecht, dass uns nichts anderes übrig blieb, als ihn von seinen Leiden zu erlösen. Am 13. Dez. 2008 habe ich Sam auf seinem letzten Weg begleitet und er ist in meinen Armen ganz ruhig eingeschlafen. Es war einer der schwärzesten Tage in meinem Leben.Aber es sollte in den nächsten Wochen noch schlimmer kommen. Der kleine Lucky, jetzt gerade 7 Monate alt, trauerte sehr um seinen Papa. Doch das Schlimmste war, dass er mir die Schuld an seinem Tod gab. Er ignorierte mich völlig. Wenn andere Personen kamen, freute er sich wie verrückt, wenn ich ihn anfassen oder streicheln wollte, drehte er sich um und ging von mir weg. Auch wollte er einfach nichts mehr fressen. Das war eine sehr schlimme Zeit für mich.

 

Doch jetzt geht es Lucky zum Glück wieder gut. Er hat sehr, sehr viel Gutes von seinem Papa geerbt und es ist auch ein toller Hund geworden, mit dem ich sehr viel Spaß habe. Er ist jetzt 2 Jahre, noch ein richtiger Lausbub, hat nur dolles Zeug im Kopf, aber ich denke, wenn er noch ein bisschen älter ist, ist er genauso ein traumhafter Hund und vor allem so ein Schatz, wie sein Papa „Sam“!    

Mehr als Illusion

Maske in Blau - Der Bariton Peter Parsch mit Illusion und Lass
Maske in Blau - Der Bariton Peter Parsch mit Illusion und Lass

von Hanne Strübel

 

An einem frühen Morgen 1974 begann eine ganz besondere Geschichte für mich. An diesem Tag kam ein Züchter aus Bayern mit seinem LKW nach Laubenheim. Er hatte etwas ganz besonderes dabei.

 

Eine kleine Haflinger-Stute die in Laubenheim Geschichte schreiben sollte, auch wenn es am Anfang gar nicht gut aussah. Denn auf meine Frage: "ob die Stute denn auch eine weiße Mähne und Schweif hat", bekam ich die ernüchternde Antwort des Züchters: "Nein, sie hat leider braunes Langhaar". Für mich war damit klar: " Dann möchte ich sie nicht".

 

Zum Glück überredete er mich dann doch, wenigstens einen Blick auf das Pferd zu werfen. Als die Ladeklappe aufging, sah ich in das wunderschöne Haflinger-Gesicht der damals 4 jährigen Illusion, die vom bekannten Nastorius abstammte. Einen Moment, den ich nie vergessen werden. Das war mein Pferd. Und wenn ihr Euch die Bilder anseht, hätte ich auch kein besseres mit einer weißen Mähne finden können. Illusion hatte ein schönes und liebes Gesicht. Ihre aufgeweckten Augen sahen immer aus, als hätte sie sich gerade "geschminkt.

 

Ich holte sie auf den damaligen Ponyhof in Laubenheim und begann mit ihrer Ausbildung. Zu meiner Freude stellte ich fest, das sie einfach an allem Spaß hatte, lernbegrierig war und viel Talent mitbrachte. So wurden wir ein super Team.

 

Wir starteten zusammen in Dressurprüfungen bis zur Klasse M und waren immer erfolgreich. Illusion war zur damaligen Zeit so ziemlich der einzige Haflinger, der in höheren Dressurklassen erfolgreich lief. Wir hatten es bei den Richtern nicht leicht. Die verschiedenen "Titulierungen" möchte ich hier lieber nicht weitergeben.

Illusion beim Voltigieren
Illusion beim Voltigieren

Daneben war sie auch ein super Spring- und Geländepferd. Sie ging ohne Zögern ein- und zweispännig vor der Kutsche und hatte großen Spaß daran im Rhein zu schwimmen. Bilder die man nie vergißt. Spektakulär waren auch ihre Geländeritte mit blinden Reitern, denen sie ihre Augen "lieh". Sie lief auch immer sehr zuverlässig in unserer Haflinger-Quadrille mit und als ob das Alles noch nicht genug wäre, brachte sie mir auch noch ein Fohlen auf die Welt - "Fairness" hieß die kleine süße "Haflinger-Maus", die später noch mit ihrer Mutter im Voltigierzirkel lief.

 

1975 begann dann auch ihre Voltigierkarriere. Ich wollte es einfach mal ausprobieren und war natürlich sehr gespannt. Aber natürlich machte sie auch hier direkt mit und ließ sich auf die neuen Aufgaben im Zirkel ein. Innerhalb eines halben Jahres war sie schon soweit, das wir schon an Turnierteilnahmen denken konnten. Den Hauptverdienst daran hatte sicher Illusion. Sie brachte "ihre" Kinder immer erfolgreich durch die Prüfungen und so wurde aus der D-Gruppe eine A-Gruppe. Auf ihr haben danach noch sehr, sehr viele Kinder das Voltigieren gelernt.

Synchron-Voltigieren
Synchron-Voltigieren

Eine besondere Schaunummer haben wir mit ihr auch ausprobiert und wie Illusion so war, hatte sie die Übung schnell gelernt. Es ging um das Synchron-Voltigieren gegeneinander. Das heißt, Illusion lief auf der linken Hand ganz frei, ohne Longe. Ihre Tochter Fairness lief auf der rechten Hand an der Longe und die Kinder turnten dann sychron ihre Übungen aus Pflicht und Kür.Illusion lief ihren Zirkel also ohne irgend eine Abgrenzung. Diese Schaunummer zeigten wir bei vielen Veranstaltungen, in vielen Hallen, aber auch auf großen und freien Plätzen.

 

Einen ganz besonderen Auftritt gab es bei der EuroCheval in Offenburg. Es war eine großartige Schaunummer und alles lief super. An diesem Tag kam der weltbekannte Pferdedomteur und Zirkusmensch "Freddie Knie" zu mir und war total begeistert. Er machte mir ein großes Kompliment zu dieser Schaunummer. Mensch, war ich stolz auf meine beiden tollen Haflinger.

 

Wir hatten auch noch zwischenzeitlich eine andere interessante Schaunummer einstudiert. Sychron-Voltigieren mit 4-5 Pferden hintereinander. Alle ohne Longe! An einem Abend in Kleinbundenbach rief mich Leo während der Schaunummer "ans Telefon". Ich ging nach außen an den Rand des Zirkels und meine 5 Pferde liefen ganz alleine ihre Runden weiter und die Voltigierer zeigten ihre Übungen. Als die Übungen beendet waren gab ich ein Zeichen von außen und alle Pferde blieben sofort aus dem Galopp stehen. Die Zuschauer waren absolut begeistert!

 

Illusion, Lass und Hanne
Illusion, Lass und Hanne

1979 begann dann ihre nächste Showkarriere "auf den Brettern die die Welt bedeuten", nämlich auf den bzw. der Städtischen Bühne in Mainz". In der Operette "Die Zirkusprinzessin" mit dem bekannten Opern- und Operettenregisseur Fritz Fischer, hatte sie an der Seite ihres Schimmelfreunds "Blue Bayou" ihre erste Nebenrolle. 

 

Das war aber nur der Anfang! Ihr ganz großer Durchbruch kam mit der Spielzeit 1983/84 in der Operette "Maske in Blau". Im ersten Bild musste Illusion die Sängerin "Evelyn Valera" mit der Kutsche auf die Bühne fahren und nach dem Auftrittslied wieder hinaus traben. Das gab schon den ersten Applaus. Aber das war nichts gegen den Auftritt im vierten Bild. Die Szene spielte auf einer Hazienda in Argentinien und ich war mit Illusion ein Postreiter. Wir mussten ein wichtiges Telegramm auf die Bühne bringen. Das war immer ein Blitz-Telegramm, denn Illusion stand auf der langen Seitenbühne schon in den Startlöchern. Jedes Mal wenn sich der Vorhang zur Bühne öffnete, startete Illusion durch, und wir in Begleitung meines damaligen Collies "Less", sind im gestreckten Galopp auf die Bühne "gebrettert", haben das Telegramm übergeben und sind wieder rausgaloppiert. Ein unglaublicher Auftritt. Das Publikum hat getobt. Wir drei: Illusion, Lass und ich haben bei den Schlussverbeugungen zweimal einen Vorhang bekommen. Es gab einen riesen Applaus und wir durften vor unser Publikum treten. Ein tolles Gefühl.   

 

Die Allgemeine Zeitungschrieb damals als Überschrift: "Pferd, Hund und Bonanza-Leute zu Gast bei Frau Juliska". Und im Text stand dann:" Unter das Mainzer Operetten-Ensemble mischen sich diesmal zwei umjubelte Stars von besonderer Rasse: ein lebendiges Pferd mit zwei "sauberen Auftritten" und ein herrlicher Lassie-Hund! Die zweibeinigen Stars müssen da schon andere Qualitäten ins Feld führen." 

 

Trotz ihres großen Erfolgs und vielen weiteren Auftritten, nicht nur auf der Mainzer Bühne, sondern auf vielen Bühnen in ganz Deutschland und sogar im Ausland, ist Illusion nie arrogant geworden. Wieder zu Hause angekommen, freute sie sich immer wieder auf und über ihre Volti-Kinder und lief brav ihre Runden, im Training und auf den Turnieren.

 

1983 lief Illusion ihr letztes Voltigierturnier in Einöd und wurde dort feierlich und mit vielen Tränen verabschiedet. Eine ganz besonders schöne Abschiedfeier bereiteten wir ihr dann zu Hause auf ihrem Hof. Alle Voltigierer, die jemals auf ihr voltigiert hatten, waren zu der Feier gekommen. Illusion durfte noch ein letztes Mal mit der damaligen A-Gruppe die Kür zeigen und mit ihrer Tochter Fairness und deren Brüdern Winnetou und Wunschtraum noch mal die allseits bekannte und beliebte Haflinger-Quadrille laufen. Den Abschluss bildete dann noch einmal das Synchron-Voltigieren mit 4 Pferden (Fairness, Talismann und Paladin). Alle ohne Longe. Und dann kam eine ganz besondere Überraschung für Illusion und für uns alle, die an diesem Tag mitfeierten.

 

Ihre "Kollegen" vom Mainzer Theater kamen auch und hatten viele Geschenke dabei. Als erstes wurde eine Bühne aufgebaut und das Ballett tanzte zunächst ein "Pas de deux" zu "Woman" von John Lennon und anschließend mit vier Tänzerinnen den "Ententeich" von Tschaikowsky. Der bekannte Mainer Tenor Jürgen Rust hielt eine Laudatio auf Illusion und als gänsehaut-erzeugender Abschluss ertönte noch ein "Zapfenstreich für ein Pferd", den der ebenfalls bekannte Bariton Peter Parsch gekonnt und mit viel Herz auf der Trompete blies. Ein Dankeschön an ihr "Ensemblemitglied Illusion".

 

Wir hatten noch einige schöne Jahre mit Illusion, bis sich dann leider im Mai 1987 nach kurzer, aber schwerer Krankheit unsere Wege trennten.

 

Mit Illusion habe ich ein Pferd gehabt, mit dem ich schöne Erfolge hatte, aber noch viel mehr Spaß und Freude. Das ich sehr geliebt habe und das ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde. Liebe Illusion - ich danke dir für all das Schöne, das ich durch Dich und mit Dir erleben durfte.

 

DANKE !!!!!!!!!!

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´Voltigierteam Ingelheim - ehemals Mainz-Laubenheim´

Mitglied im Landeskader Rheinland-Pfalz (Mannschaft/Einzel/Doppel) und Bundeskader Deutschland (Einzel)